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Leo Kirch – 45 Jahre deutsche Mediengeschichte • 22.04.2002
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Leo Kirch – 45 Jahre deutsche Mediengeschichte


"Der Medien-Magnat, der aus allem Kommerz macht" – Dr. Leo Kirch hatte seit Jahren schlechte Presse. Axel Cäsar Springer nannte ihn gar einen Verbrecher. Kirch rächte sich, indem er über Strohmänner 40% an Springer kaufte und damit erzwang, dass man ihm als größten Aktionär dort den roten Teppich auslegte. Ebenso Tradition haben Finanzprobleme im Hause Kirch: Schon seine ersten Filmrechte erstand Leo Kirch auf Kredit!

Der heute 75-jährige startete einst mit hehren Zielen: Richtige Filmkunst wollte er ins miefige deutsche Fernsehen bringen. Und so fuhr er 1956 persönlich zu Federico Fellini, um diesem die deutschen TV-Rechte für seinen neuen Film "La Strada" für geborgte 130.000 Mark abzukaufen – eine riskante Unternehmung. Doch "La Strada" entwickelte sich zum Kassenschlager und Klassiker. 1958 lieferte Kirch bereits die erste Spielfilmpremiere im Fernsehen, bevor der Film überhaupt ins Kino gekommen war und 1960 verkaufte er erstmals 700 Spielfilme an die ARD.


Titelbild des "stern", Ausgabe vom 2.8.2001


Veranstalterbeteiligungen und zuzurechnende Programme der KirchGruppe
Das Filmrechtegeschäft war ein Novum in Deutschland, denn nicht nur alte Schwarzweißfilme, sondern aktuelles Kino im Fernsehen zu zeigen, hatte man zuvor nicht gewagt. Zu groß war auf der einen Seite die Angst der Kinobesitzer vor dem bösen Fernsehen und auf der anderen Seite die Bedenken der Filmemacher, ihre wertvolle Ware in der kleinen "Affenkiste" gegenüber der Leinwandvorführung nicht adäquat präsentieren zu können.

Wie groß sein Unternehmen tatsächlich war, hielt Leo Kirch jahrelang bedeckt, ebenso dessen finanzielle Lage. Er wurde dabei auch von der bayrischen Regierung gestützt, insbesondere zu Zeiten von Franz-Josef Strauß. Für den in 2002 geplanten Börsengang waren jedoch Struktur und Finanzen des Unternehmens offen zu legen – und das führte zum Desaster: Die hohe Überschuldung des Unternehmens von über sechs Milliarden Euro wurde ruchbar. Immer mehr Geldgeber wollten in einer Kettenreaktion ihre Anteile zurück und am 8. April 2002 musste die Kirch Media offiziell Insolvenz anmelden.

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